Beschneidung der Frau
Aus BurkinaAt
Situation in Burkina Faso
Weibliche Beschneidung oder Exzision ist ein am gesamten Kontinent immer noch weit verbreiteter Brauch und wird besonders in Westafrika nach wie vor praktiziert. Nach einer Studie der UNO sind geschätzte 72% der Frauen Burkina Fasos beschnitten worden. Bei heranwachsenden Mädchen wird dabei, oft unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen etwa unter Verwendung von Glasscherben, die Klitoris und manchmal auch die inneren Schamlippen entfernt. Die daraus entstehenden Wunden verheilen in der Regel schlecht und sind eine lebenslange Quelle für Infektionen.
Es herrscht nach wie vor der Glaube, dass unbeschnittene Frauen keinen Mann finden werden - was dazu führt dass Mütter ihre Töchter, oft gewaltsam, zur Beschneidung zwingen. Bei Männern ist ein Problembewusstsein nur sehr schwach entwickelt, genaue Kenntnis der Operation und deren Folgen besteht fast nicht.
Siehe auch:
- Bericht über Frauenbeschneidungen in Burkina Faso in der deutschsprachigen Ausgabe von Le Monde diplomatique
- Teil2 dieses Berichts
Allgemeine Information
Aus http://www.geburtskanal.de:
Weibliche Genitalverstümmelung (FGM: Female Genital Mutilation) ist in ganz Ost- und Westafrika, im südlichen Teil der arabischen Halbinsel und entlang des Persischen Golfs, in einigen Ländern Asiens -Pakistan, Indien, Malaysia und Indonesien- verbreitet, geschieht aber auch in westlichen Einwanderungsländern wie Australien, Israel, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Deutschland, Kanada und den USA bei Migrantinnen. Beschneidungspraxis und -häufigkeit variieren in ihrer geographischen Ausbreitung, sie sind teils gebunden an ethnische und andernteils an religiöse Gruppen.
Schätzungen der bereits genitalverstümmelten am Leben gebliebenen Frauen liegen zwischen 130 und 150 Millionen. Jedes Jahr werden rund zwei Millionen Mädchen beschnitten, täglich sind es 6.000. Die Verstümmelung wird zumeist bei zwischen vier und acht Jahre alten Mädchen vorgenommen, geschieht aber auch im Säuglingsalter und bei jungen Frauen. Sie soll auf die Heirat vorbereiten, die Jungfräulichkeit muß gesichert, der Körper an die herrschenden Vorstellungen von Weiblichkeit angepaßt werden. In einigen Kulturen gelten die weiblichen Genitalien und insofern die unbeschnittene Frau als unrein, und die Beschneidung dient als ritueller Reinigungsakt. Resultate von Genitalverstümmelung sind Sterilität und Qualen beim Geschlechtsverkehr: So wird das sexuelle Verlangen der Frau kontrolliert, da zerstört.
Folgende vier Formen der Genitalverstümmelung werden unterschieden:
- Die Sunna (´Tradition´) bezeichnet die Entfernung der Klitorisvorhaut, ein sehr selten auftretender Brauch. Bei der Exzision bzw. Klitoridektomie werden Klitoris und kleine Schamlippen teilweise oder vollständig amputiert.
- Unter pharaonischer Beschneidung bzw. Infibulation versteht man die Entfernung der Klitoris und das entweder teilweise oder vollständige Wegschneiden der kleinen Schamlippen.
- Weiterhin werden die großen Schamlippen ausgeschabt, um daraufhin mit Dornen zusammengeheftet bzw. zusammengenäht zu werden. Oft wird nur noch ein streichholzkopfgroßes Loch zum Austritt von Urin und Menstruationsblut offengelassen.
- In die vierte von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) gebildetete Kategorie fallen verschiedene Variationsformen der Beschneidung weiblicher Geschlechtsorgane.
Durchgeführt werden diese Beschneidungen in der Regel von speziellen Beschneiderinnen, traditionellen Hebammen oder Barbieren ohne Betäubung unter unhygienischen Bedingungen. Werkzeuge sind Rasierklingen, Messer, Scheren, Glasscherben, Deckel von Konservendosen. Unmittelbar nach dem Eingriff kann es zu schweren Blutungen, Infektionen und Schock kommen. Des weiteren treten Schädigungen an Harnröhre und After, Vernarbungen, Tetanus, Blasenentzündungen, Blutvergiftungen und Hepatitis B auf. Als Langzeitschäden sind chronische und wiederkehrende Harnröhren-, Blasen- und Beckenentzündungen -die zu Sterilität, Zysten und Abszessen an der Vulva führen können-, schmerzhafte Neurome, Probleme beim Urinieren, Dysmenorrhö, Stauungen von Menstruationsblut in der Bauchhöhle, Frigidität und Depressionen zu nennen. Nicht selten ist die Folgen der Beschneidung der Tod der Frau. Das Risiko einer HIV/AIDS- Infektion für infibulierte Frauen ist vermutlich überdurchschnittlich hoch, da sie sich beim Geschlechtsverkehr häufig Risse in der Vagina und Abschüfungen zuziehen und insofern eine Übertragung von Geschlechtskrankheiten gefördert wird.
Die wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit der Frauen von Männern und die ausschließlich männliche Definition sexueller Erfüllung bilden den Hintergrund für die Aufrechterhaltung von FGM-Praktiken. Eine aktive Frauenbewegung gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien existiert mittlerweile in jedem betroffenen Land. In vielen Ländern, in denen Beschneidungen durchgeführt werden, spricht sich die Regierungen offiziell gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien aus, in einigen Ländern ist FGM gesetzlich verboten. Verbote ohne flankierende Aufklärungsmaßnahmen bleiben jedoch weitgehend erfolglos. Frankreich ist bisher das einzige Land, das weibliche Genitalverstümmelung rechtlich verfolgt. Frankreich, Kanada und die USA gewähren Frauen, die aus Ländern stammen, in denen weibliche Genitalverstümmelung häufig auftritt, politisches Asyl.

