Burkina fuer Anfaenger
Aus BurkinaAt
Burkina Faso für Anfänger - Ratschläge aus 15 Jahren Erfahrung
Der nachfolgende Text von Katrin Rohde hängt im Gästezimmer von AMPO aus und ist das erste, das ihre Praktikanten und Zivildienstleistenden zu lesen und zu hören bekommen. Er mag vielen von uns, die seit Jahren Burkina Faso bereisen, übertrieben vorkommen. (Ich selbst esse Salat in jedem halbwegs properen Lokal, bin fast nur mit Flip-Flops unterwegs und halte mich auch sonst nicht an alle Ratschläge aus diesem Text. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Nur: Wäre ich für Praktikanten verantwortlich, würde ich sicher noch viel schärfere Regeln erlassen!) In jedem Fall ist dieser Text mE. eine hervorragende Vorbereitung für alle Burkina-Neulinge, und auch für die alten Hasen sollte etwas dabei sein. Darum habe ich Katrin gebeten, ihn uns für die Veröffentlichung auf Burkina.at zur Verfügung zu stellen. Anmerkungen und Ergänzungen bitte auf der Diskussionsseite vornehmen (Link oben).
PS.: Der Text bezieht sich hauptsächlich auf das Leben in der Stadt. Dass am Land sehr viele zusätzliche Dinge zu beachten sind, versteht sich:
- Keine Überlandfahrten in der Nacht,
- Schutz vor Schlangen,
- Umgang mit Dorfchef & Co.
- etc.
Liebe Helfergemeinde !
A.M.P.O. ist froh und glücklich über Dein Kommen! Du befindest Dich in Afrika und wir alle hier wünschen Dir das Allerbeste!
10 Jahre lang habe ich geschwiegen, denn einer meiner Grundsätze ist: Jedem sein eigenes Afrika! Da Ihr uns jedoch anvertraut seid und ich in den letzten Jahren von den Praktikanten und Zivis viel zu viele ausfliegen lassen musste, respektive ihre diversen Krankheiten hier vor Ort kurieren musste, bin ich nun gezwungen hier nachfolgend einige drastische Direktiven anzugeben:
Inhaltsverzeichnis |
Malariagefahr
Wo immer Ihr wohnt oder seid:
- Sämtliche Fenster und Türen sind (wenn ohne Mückengitter) ständig geschlossen zu halten!
- Es genügt, um ein Zimmer zu betreten, die Tür 30 cm zu öffnen und diese dann sofort wieder hinter sich zu verschließen.
- Eure Zimmer und Duschen müssen täglich mindestens einmal ausgesprüht werden, vornehmlich dunkle Ecken.
- Benutzt Euer Moskitonetz richtig und steckt es ordentlich und fest in die Matratze.
- Die Anophelesmuecke fliegt in Burkina Faso ab 18.00 h. Solltet Ihr Euch danach draußen aufhalten, sind Jeans und Jeanshemd dringend notwendig. Hinzu kommt eine dicke Schicht Mückenschutzmittel, vornehmlich auf Unterarmen, Knöcheln und im Nacken.
- Offene Wasserstellen und Pfützen sind zu meiden
- Dass Ihr Eure jeweiligen Malariamittel zuverlässig und pünktlich einnehmt ist sicherlich selbstverständlich.
Was für Euch wie ein Schnupfen oder eine Erkältung aussieht, kann bereits eine ausgewachsene Malaria sein. (Auch ohne Fieber!!!) Sofortige Tests sind Pflicht!
Typhus, Durchfall, Salmonellen, Amöben, Schigellen, Apollo, Ouaga 2000, Bilharziose
Dies alles sind Krankheiten, die durch mangelnde Wachsamkeit und mangelnde Hygiene entstehen. Wir hier bei A.M.P.O. leben an der Basis und haben ständig mit Menschen zu tun, denen das Wort Hygiene in unserem europäischen Sinne vollkommen unbekannt ist.
- Seid Euch darüber im Klaren, dass Euch jeder freundliche Händedruck Typhus bescheren kann (Auch sehr ansteckend: die Augenkrankheit Apollo). Es gehört zu den eisernen Regeln sich täglich mindestens 20 mal die Hände zu waschen! Solltet Ihr dies übertrieben finden, dann macht es bitte stündlich, samt dem Schrubben der Fingernägel!!!
- Im jeweiligen Haushalt ist der gesamte Abwasch entweder sofort oder bis 22.00 h zu erledigen. Jede Fliege, die tagsüber auf Schweinemist saß, sucht abends gerne Eure unabgewaschenen Becher und Teller auf, um dort ihre Eier zu legen... Ihr könnt also genauso gut Euer Picknick draußen auf der Müllkippe machen! Und wer und was sich dort alles schon entleert hat, solltet Ihr ja mittlerweile mitbekommen haben...
- Aus dem gleichen Grunde müssen sämtliche Fußböden mindestens alle 2 Tage mit Desinfektionsmittel gewischt werden. Selbstverständlich gilt dies auch für Eure Duschen und WC.
- Trinkt kein Euch unbekanntes Wasser!!! Diejenigen, die nur für kurze Zeit hier sind sollten sich an Lafi oder Jirma halten. Zivis und Gäste mit längerem Aufenthalt sind verpflichtet ihr Wasser zu filtern oder Brunnenwasser von A.M.P.O. zu trinken. In meinem eigenen Haushalt und nach 15 Jahren Afrika wird mein Wasser gekocht und gefiltert! Trotzdem solltet Ihr nach einer Woche mal den schwarzen Brei auf den Filtern sehen!
- Zivis sollten zudem Rat und Tat bei Müttern und Tanten einholen, denn die meisten von ihnen haben noch nie gekocht. Hier laufen die Dinge etwas schwieriger als in Europa: wie erkenne ich ob ein Ei schlecht ist? Hier ist mit tödlicher Sicherheit Mayonnaise nach einem Tag schlecht, auch im Kühlschrank! Hier muß Maniokwasser dreimal während des Kochens abgegossen werden wegen der Giftstoffe. Also, erkundigt Euch und macht Euch schlau!
- Die einzigen Orte die ich kenne, die verlässlich Salat mit Kaliumpermanganat waschen, sind mein eigener Haushalt und das A.M.P.O.-Restaurant. Salat wird hier im Allgemeinen mit menschlichen Exkrementen gedüngt – die Folgen für Eure Gesundheit könnt Ihr Euch sicherlich ausmalen... Esst also niemals Salat außerhalb.
- Erdnussöl gehört zu den am schlechtesten verdaulichen Ölen der Welt, außerdem ist es dreckig! Achtet also darauf was Ihr an der Strasse esst, denn meist ist es in diesem Öl gebraten. Übrigens steht einiges an Nahrung meist schon seit langer Zeit in der Sonne und ist eingestaubt. Menschen mit Tuberkulose stehen davor und spucken bei ihrer Bestellung versehentlich in den Reis...
- Auch wenn die Teller und Gläser mit Seifenwasser gewaschen sind: Traue ihnen nicht! Tee-und Kaffewasser haben oft nicht ausreichend gekocht (3 Minuten ist Pflicht.).
- Trinkt Eure Getränke ohne Eis – es könnte aus der Barrage von nebenan stammen, in der sich die Bettler waschen...
- Gehe niemals barfuss in Afrika! In stehenden Gewässern und Pfützen befinden sich Würmer, die in Eure Füße eindringen und nur äußerst schmerzhaft wieder zu entfernen sind. Andere Würmer dringen bis in die Nieren vor oder kommen an den Augen wieder heraus – tödliche Krankheiten, die oft erst lange nach der Ansteckung ausbrechen!
- Bitte schützt Euch vor Sonne und Staub. Ohne Hut oder Tuch solltet Ihr Euch nicht draußen aufhalten. Bedeckt Eure Arme. Fahrten auf dem Mofa, vornehmlich in Ouaga, sollten ohne Mundschutz nicht angetreten werden. Der Wind trägt den Staub mit allen moeglichen Krankheiten und den getrockneten Exkrementen von Mensch und Tier mit sich! Schützt Euch! Tragt in der kalten Jahreszeit (auch wenn Ihr es als Europäer nicht unbedingt als kalt empfindet) Pullover! ( Nichts ist mieser als ein Schnupfen in den Tropen!!!)
- Außerhalb von Ouaga sind feste Schuhe Pflicht.
Achtung Unfall
Vor Schlangen kann man sich vorsehen (feste Schuhe und viel Lärm). Vor einem Verkehrunfall nicht!!!
- Sämtliche Zivis sind auf ihren Mopeds helmpflichtig, mitfahrende Praktikanten ebenso.
- Euer Verkehrsverhalten muss sich hier, im Vergleich zu Europa, drastisch verändern. Ihr sollt Euch ausschliesslich defensiv und passiv bewegen!
- Nach Einbruch der Dunkelheit sollten sich selbst Fussgänger mit einer Taschenlampe beleuchten, so dass sie für andere gut sichtbar sind. Die Nächte in Afrika sind schwarz!
Die Hälfte aller Autos (vornehmlich LKW`s) und dreiviertel aller Mofas besitzen keine Bremsen – von Fahrrädern ganz zu schweigen. Die meisten Verkehrsteilnehmer fahren ohne Licht! LKW und Mopeds sind ständig überladen. Sie brechen vor Euren Augen mitten auf der Strasse zusammen. Sie verlieren ihre Achsen, Holme brechen ab und Räder machen sich selbständig. Fahrer von LKW`s bewältigen ihre riesigen Strecken nur mit Hilfe von Drogen und Alkohol. Viele schicke Autos in der Stadt werden auch gerne schon am Sonntagmorgen vollkommen besoffen gefahren. In den Schulen existiert kein Verkehrsunterricht. Viele Dörfler sind die Stadt nicht gewöhnt und versagen im Straßenverkehr vollständig. Kleine Kinder lässt man unbeaufsichtigt am Strassenrand spielen. Ampeln und Einbahnstrassen werden keinesfalls berücksichtigt. Handwagen und Eselskarren, frei herumlaufende Hühner, Enten, Hunde, Esel, Rinder und Schweine erschweren die Verhältnisse!
Im Falle eines Unfalls, kommen die Sapeur Pompiers, eine der wenigen wirklich funktionierenden Einrichtungen dieser Stadt. Sie bringen die Unfallopfer in die Unfallstation des städtischen Krankenhauses. Dort aber hat die Fürsorge ein Ende! Viele Menschen dort verbluten ohne Hilfe auf den Kacheln der Notaufnahme, denn jeder Handschlag und jedes Medikament muss im Voraus bezahlt werden. Wenn also kein Verwandter oder Bekannter sofort benachrichtigt werden kann, ist der Mensch so gut wie tot. Es kann also gar nicht genug gewarnt werden vor diesem Verkehr! Fahrt einmal zu den Sapeur Pompiers und schaut Euch deren Fotos für die Statistik an…..
Bruderhilfe / Schwesternliebe
Hier in Afrika sind die Menschen generell voller Respekt. Wehre Dich also nicht, wenn jemand (den Du kennst) Dein Gepäck tragen will oder Dir den Besen aus der Hand nimmt – die anderen würden ihn für unhöflich halten, täte er dies nicht. Grüsse jeden der Dir die Hand entgegenhält mit Handschlag, so gehört es sich.
- Sei auch Du höflich bereit zu jeder Zeit zu helfen - ausser bei Geldproblemen: Verleihe niemals Geld an Menschen, auch wenn sie noch so nett sind. Sie können es einfach nicht zurückzahlen, auch wenn sie selbst fest daran glauben. Ihre Tanten oder Kinder werden schwer krank, das Schulgeld ist fällig oder der Bruder muss verreisen. Dein Freund wird nicht den Mut haben Dir dies zu sagen. Er kommt einfach nicht mehr, weil er sich vor Dir schämt – Ende der Freundschaft.
- Bittet Euch jemand, ihm 10 000 CFA zu leihen, schenkt ihm einfach ein Zehntel, also 1000 CFA und sagt: Mehr habe ich nicht.
- Hier bei AMPO dürft Ihr gerne unsere Kinder fotografieren – sie lieben es! Aber andere Menschen nicht! Sehr oft gibt es bei uns Kranke, Arme oder Behinderte, und ich möchte sie in keinem Fall einer neugierigen Kamera aussetzen. Außerhalb von AMPO müsst Ihr sehr vorsichtig sein: die Polizei nimmt Euch Eure Kamera auch weg wenn Ihr nicht gerade offizielle Orte aufnehmt, und Ihr wisst ja auch gar nicht wo diese sich befinden. Das kann bis zu Festnahme und Arrest führen und hat es auch schon.
- Dass man Menschen höflich fragt, bevor man sie aufnimmt ist sowieso klar – oft genug werdet Ihr danach zur Kasse gebeten – dann müsst Ihr zahlen.
Für alle Jünglinge: Achtung, ein einziges Mal tanzen gehen mit einer Afrikanerin kann schon als Heiratsversprechen verstanden werden. Und auch für die Mädels: Die Infektionsgefahr bei Syphilis, Tripper und Aids ist Euch sicherlich hinlänglich bekannt, Ihr wisst also, was Ihr zu lassen habt!
Ihr habt hier die einmalige Gelegenheit von Afrika zu lernen – hört also gut zu und haltet Euch zurück mit europäischen Lösungen von Problemen. Das meiste wissen die Menschen hier sehr viel länger und besser als wir! Dies gilt ebenso für die Ratschläge die Euch ältere Menschen entgegen bringen – ein Geschenk Afrikas, hört gut zu!
Persönliche Sicherheit
- Es ist allen Praktikanten verboten das Gelände der Waisenhäuser nach 18.00 h zu verlassen. Diese Regel hat ihre Gründe. Ihr werdet immer größere Jungen oder Mitarbeiter finden, die Euch gerne begleiten. Mit Taschenlampe in der Hand, denn fast alle fahren ohne Licht (s.o.), die Nächte sind schwarz, die Wege uneben und die Abwassergräben tief – glaubt es mir.
- Den Praktikanten ist es untersagt, selbst Fahrrad, Mofa oder Auto zu fahren.
- Afrikaner lassen etwaige Besucher nicht in ihr Haus. Bitte empfangt auch Ihr Eure Besucher auf der Terrasse.
- Tragt hier wertvolle Dinge wie Gitarren oder Computer nicht offen mit Euch herum. Lasst niemanden in Euer Portemonnaie schauen, egal wo, tragt Euer Geld immer im Geldgürtel oder unter der Hose. Euren Pass müsst Ihr in BF allerdings immer bei Euch tragen.
- Lasst Euch nur von Menschen, die bei A.M.P.O. bekannt sind im Auto oder Mofa mitnehmen.
Ihr seid also ein wenig eingeschränkt - nehmt es hin, denn die Ratschläge sind das Ergebnis langjähriger Erfahrungen mit Zivis und Praktikanten bei A.M.P.O.
Wir wünschen Euch einen gesunden und fröhlichen Aufenthalt in Ouagadougou!
Katrin Rohde und das Direktorium von A.M.P.O.
Video: Mit dem Moped in Ouaga
Dieses Video, das die Zivis von SEWA 2006 gedreht haben, zeigt den Stadtverkehr in Ouaga. (Hier ihr Weblog.)

