Geschichte der Bissa
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Ich weiß nicht ob ein solcher Artikel in diesen Rahmen passt. Wenn nicht, löscht ihn und leitet Geschichte der Bissa um auf http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/%7Eza167/geschi5.html--Garango 10:15, 14. Jul 2006 (PDT)
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Geschichte der Bissa
Quellen
Die Geschichte der Bissa ist arm an schriftlichen Zeugnissen. Wahrscheinlich siedeln die Bissa schon genauso lange im heutigen Bissa-Gebiet wie die benachbarten Mossi, jedoch liegen keine Zeugnisse darüber vor. Das erste Mal wurden die Bissa bei Clarke erwähnt, der sie in seinen linguistischen Studien 1849 beschrieb. Das zweite Mal erwähnt sie der Missionar Koelle in seiner Polyglotta Africana als Verwandte der Mossi. Danach werden sie von den Entdeckungsreisenden Krause (1887) und Binger (1889) unter dem Namen Boussancé beschrieben. Dieser Name stammt aus der Mossi-Sprache. Ausführlicher sind die Beschreibungen von Delafosse (1919) und Tauxier (1924), die sie als eine der 5 Mossigruppen aufzählen. Das erste Mal als eigene Gruppe nennt sie ein italienischer Missionar (um 1920), dem auch Wüstungen auffallen und der damit auf mögliche Vertreibungen aufmerksam macht. Die eigentliche Geschichte der Bissa ist erst seit 1800 nacherzählbar, weil anders als bei den Mossi, die in Königtümern organisiert waren, das politische Leben der Bissa dergestalt aussah, dass verschiedene Klane der Jägerkultur weitgehend autark nebeneinander existierten. Wurden die Heldentaten und Erbfolgen im Königreich der Mossi über Dynastien durch die „Tambourinaire“ mündlich weitergegeben, fehlte diese Möglichkeit der historischen Überlieferung in den Klanen bis zum Zeitpunkt der Konstituierung der Chefferien, die bei den Bissa als Reaktion externen Drucks begann.
Ethnische Einordnung
Die Bissa haben zu einigen Ethnien nachweislich Verwandtschaftsgrade, die mehr oder weniger direkt sind. Die Samo werden nach einer Legende Cousins genannt, auch die Gourounsi sind Verbündete; im Umgang kommt es zu spielerischen Beleidigungen wie „Mein Sklave“ und „Erdnussfresser“. Die Bissa, Samo und Gourounsi sind allesamt Mandesprachinseln, das Mande-Kerngebiet liegt westlich des Bissagebietes. Die engste ethnische Verwandtschaft besteht dennoch zu den Mossi, so dass deren Verhältnis in den meisten historischen Studien im Mittelpunkt steht. Nicht nur weil sich die kriegerischen Auseinandersetzungen und Sklavenbeutezüge der Mossi tief in das Bewusstsein der Bissa gebrannt haben, sondern auch, weil sich durch sie neue gesellschaftliche Organisationsformen bildeten. Die Verwandtschaft zwischen Mossi und Bissa ist bereits in der Legende der Reichsgründung der Mossi verankert. Die Entstehungsgeschichte der Bissa und Mossi ist weitgehend identisch, die Darstellungsweise differiert mit der Perspektive des Erzählers und der Erzählsituation. Manchmal ist der Gründer ein Bissa, manchmal ein Mossi. Je nachdem wird der Herrschaftsanspruch der einen, wie der anderen Ethnie ausgelegt. Gegen diese enge Bindung spricht deren Sprache. Im Gegensatz zum Mooré der Mossi sprechen die Bissa eine Mandesprache und bilden somit eine Insel, umgeben vom Mooré.
Geschichte
Phase der Gesellschaftskonstitution
Die Besiedlung des Gebiets fand von Süden aus statt. Das Zusammenleben der ersten Gruppen kann nur rekonstruiert werden und war wohl akephal und segmentär. Mit dem Aufkommen der Chefferien im 19.Jh. wurde auch eine Bodenreform durchgeführt. Es gibt einen klaren Einschnitt in der Geschichte in ein Vorher und Nachher. Das Chefferieprinzip ist als Schutz vor feindlichen Eindringlingen von den benachbarten Mossistämmen übernommen worden, daher gilt es auch als Manifestation der ersten überklanmäßigen Gesellschaft. Der erste nachweisliche Chef aller Bissa wurde in Garango um 1850 nominiert, Naaba Busunkudma.
Die Linie der Chefs wird in der Familie der Bambara weitergegeben. Diese Einführung ging einher mit der Gründung eines Hofes und dazugehörigen Kriegern, die den Chef,das Volk und dessen Boden beschützen sollten, während in der segmentären Klangesellschaft im Senioritätsprinzip mehr oder weniger autonome Kleingruppen bzw. Familien nebeneinander lebten, die Hirten oder Jäger waren und zur gemeinsamen Überlebenssicherung eine Gemeinschaft bildeten. Die Ausbreitung des Chefferiephänomens ist auf Außenkontakte in kleineren Kriegen zurückzuführen, die das Sippentum als schwachen Gegner auswies. Da bei den ungeschützten Siedlungen keine Krieger vorhanden waren, wurden viele Bewohner als Sklaven entführt, und so mussten sich sukzessiv alle kleineren Klane und dispersen Siedlungen zu größeren Einheiten zusammenfinden und zum Selbstschutz eine Armee aufstellen, die Sklavenbeutezüge ihrer Nachbarn zu verhindern suchte.
Diese Gründungswelle markiert den Anfang der Geschichtsdokumentation. Seit die Heldentaten der Krieger erzählt wurden, werden auch andere Geschehnisse weitererzählt und in Gesängen dokumentiert. Der Hof wurde zur oralen Geschichtssammlungsstätte. Damit wurden auch die ethnischen Gebietsgrenzen geschaffen, die die jeweiligen Territorien zuordneten. Boden und Fläche wurde damit zugehörig. Der Prozess dauert bis heute an, die Bodenfrage ist keinesfalls endgültig geklärt und sorgt immer noch für zahlreiche Konflikte zwischen staatlichen, kommunalen, ethnischen und familiären Ansprüchen. Dass das Prinzip nicht nur Sicherheit und Stärke mit sich brachte, zeigt das Beispiel Garango, wo zwei Naaba Anwärter in jüngster Zeit (1999) Anspruch auf die Herrschaft erhoben und sich erbitterte Kämpfe mit Todesfällen lieferten.
Außer den unabhängigen Chefferien Garangos und Zabrés sind alle anderen Chefferien Mossigründungen der Nakomsé und diese hatten eine relative Nähe zum Hof in Ouagadougou. Die freien Bissa-Dörfer wurden immer wieder attackiert und durch Sklavenrazzien heimgesucht. Für die Herrscher in Ouagadougou waren ihre Mossichefferien Außenposten des Reiches und zugleich Stationen, von wo aus die Razzien durchgeführtwerden konnten. Prost (1950, S.60) mutmaßt, dass eine Einnahme Garangos und Zabrés von den Mossi durchaus möglich gewesen sei, die relative Verwandtschaft veranlasste allerdings den Mogho Naaba dazu, sie „nur Gott allein“ zu unterstellen.
Die ersten Sklaven der Mossi waren alle aus dem Gebiet um Garango, zumeist junge Männer, die gute Schützen waren oder auf dem Hof helfen sollten. Zum größten Teil wurden sie am Markttag verschleppt. Dies wird auch als Grund genannt dafür,dass sich die Bissamänner nicht am Marktgeschehen beteiligt haben, und dass junge Männer noch lange Zeit dem Marktplatz gänzlich fern blieben. Faure (1996, S.79) zieht zudem die Architektur als Beweis für die Angst um Verschleppung heran, die die jeweiligen Höfe mit großen Mauern schützt. Auch der nahegelegene Berg Boulgou wurde Zufluchtsort für die schutzsuchenden jungen Männer. In Erzählungen beschreiben die Älteren oft die Verstecke, an die sie die jungen Männer gebracht hatten sowie die Folter und Erpressungen, um sie zur Herausgabe der Söhne zu zwingen. Nicht unterschätzt werden darf auch die Anzahl der verschleppten Frauen, allerdings galt es als ein Teil der Bissakultur, Frauen zu verschiedenen Anlässen zu verschenken. Dorfchefs sollen bis zu 100 Frauen geschenkt worden sein, bei Migration wurden Frauen oft zurückgelassen. Dementsprechend selten wird darüber gesprochen, der Diebstahl junger Männer steht in den Ungerechtigkeitsgeschichten an höherer Stelle. Die Sklaven blieben nicht nur bei den Mossi, sie wurden auch auf Sklavenmärkten wie in Salaga weiterverkauft und so in alle Welt gebracht. In der Bissaregion plünderten nicht nur die Mossi, sondern auch Ashanti und Dagomba. Der erfolgreiche Widerstand gegen die Eindringlinge wird bis heute stolz berichtet, die Bissa haben nie kapituliert. Erst mit dem Eintreffen der Franzosen ordneten sie sich einer fremden Gruppe unter.
Das letzte Jahrhundert
Die Kolonialgeschichte begann mit der Einnahme des Gebietes durch die Franzosen Ende des 19.Jh.. Administrativ wurde 1919 das Gebiet Haute-Volta errichtet. Bei der Gründung der Verwaltungseinheit Tenkodogo gab es Widerstände von Seiten der Dorfchefs der Bissa. Sie wurden Tenkodogo nicht untergeordnet, sondern behielten eine eigene Verwaltung. Zunächst war das 20.Jh. von einer Dezimierung der Bevölkerung der Region geprägt. Um sich unfreiwilligen Soldaten- und Arbeiterrekrutierungen zu entziehen flüchtete eine beachtliche Anzahl der Bevölkerung in die benachbarte Gold-Küste (heute Ghana) Zunächst wurde von der Kolonialverwaltung der wirtschaftliche Aufschwung proklamiert und die Marktproduktion (vor allem Baumwolle) wurde eingeführt. Aber schon bald änderte sich die Taktik, und man nahm das Gebiet als Arbeiterreservoir der Küstenregionen für Minen, Plantagen, Eisenbahnbau und den Hafen. Zahlreiche Arbeiter wurden auch in den Baumwollfeldern und im Straßenbau benötigt. Viele Soldaten Frankreichskamen ebenfalls aus dem Untersuchungsgebiet: 1914 waren es 7.740 Soldaten, die von den Franzosen rekrutiert wurden. Nach den Archiven und Faure (1996) betrug die Abwanderung 25-46%. Im Kanton Niaogho sind zwischen 1923 und 1931 27% der Einwohner abgewandert, eine Bevölkerungsabnahme von 7.623 auf 5.545 Einwohner. Der Migrationsfluss hin zur Elfenbeinküste war und ist am stärksten. Dazu beigetragen hat die Verwaltungseinheit der zwei Länder zwischen 1933 und 1947. In dieser Zeit wurden viele Bissa an die Küste gebracht um ihre Dienste zu leisten. Commandant Adam von Tenkodogo hatte Verträge mit dem Naaba Koom geschlossen, Bissa an die Küste umzusiedeln, weil sie als gute und fleißige Arbeiter galten. Bei dieser Aktion kamen 916 Freiwillige Richtung Süden, die eine Siedlung bei Bouaflé zugeteilt bekamen, die am 11. August 1933 Bouaflé-Garango getauft wurde. Weitere Siedlungen wie Tenkodogo-Bouaflé und Koudougou-Bouaflé kamen hinzu. Hervouet schätzt, dass der Region insgesamt etwa 150.000 Einwohner in der Zeit von 1928-1947 verloren gingen, das entspricht der Hälfte der Population im Ausgangsjahr(321.000). Laut einer Orstomstudie waren noch 1975 etwa 11% der Bevölkerung im Alter zwischen 20-35 Jahren in den Küstenstaaten. Die Rückwanderung fand erst statt, als sich die Situation in der Heimat verbesserte. Ghana profitierte wirtschaftlich von den arbeitswilligen jungen Männer, die aus Burkina Faso kamen. Deren Rückzug löste eine Krise aus. Auch die Elfenbeinküste geriet in den 90er Jahren in eine Krise. Mittlerweile kommen sogar Bewohner der Küstenregion nach Burkina Faso, um dort Arbeit zu suchen.
Die Franzosen bauten nicht nur die Verwaltung auf und verstärkten die Migration, sondern initiierten auch die Monetarisierung der Gesellschaft durch die Einführung des Handels und eines Steuersystems, bei dem mit Geld und in Lebendvieh gezahlt werden konnte. Bei der Neugliederung des Gebietes machten die Franzosen das Angebot, die Verwaltung in die Hand von Dorfchefs zu legen. Viele Dorfneugründungen fallen in diese Zeit. Die Dorfchefs und ihr Hofstaat rekrutierte sich zumeist aus den Mitgliedern einer Familie, die in dem jeweiligen Dorf angesehen waren, oder zumindest schnell genug waren um das Angebot wahrzunehmen. Diese neuen Chefferien bestanden bis zum Ende der französischen Vorherrschaft. In dieser Zeit bereicherten sich die Familien an der relativen Autonomie, welche ihnen die Franzosen überließen, indem sie die Steuern für einen aufgeblähten Hofstaat aufbrauchten. Auch diese kleptokratischen Praktiken veranlassten viele Bissa ihr Land zu verlassen. Selbst bei der Auswanderung wurden Forderungen erhoben wie: 2 Frauen, 3 Rinder, 23 Paniers Hirse, 15 Stück Geflügel, 14.000 Kaurimuscheln und Geld im Gegenwert von 70 €. Es gab auch öffentliches Auspeitschen und Zwangsarbeit. Es wird geschätzt, dass etwa 200 Dörfer in dieser Zeit entstanden sind, aber nur die wenigsten existieren heute noch. Die Abwanderung wurde zudem durch verschiedene Epidemien und endemischen Krankheiten verstärkt: Die Onchozerkose führte zur temporären Entleerung der Landstriche um den Weißen Volta. Noch heute gibt es in den Gebieten um den Nakambé viele ältere Menschen, die davon erblindet sind. Hinzu kamen Krankheiten wie Pocken, Heuschreckenplagen und Hungersnöte, die die Bevölkerung dezimierten. Da das Bissagebiet der Unabhängigkeit wegen lange hinter der Infrastruktur der Mossiebene zurücklag, war auch die medizinische Versorgung sowie die Aufklärung nicht in nötigem Maße vorhanden. In der Region war und ist es üblich, für die Zeit der Feldarbeit sein Haus zu verlassen und im Busch zu leben, weil so Brachezeiten eingehalten werden können und man ein größeres Stück Land bearbeiten kann. In dieser Zeit schlafen die Feldarbeiter unter freiem Himmel und trinken das Wasser, das in unmittelbarer Nähe verfügbar ist. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko an Krankheitsübertragungen.
Phase der Wiederbesiedlung
Bereits in den 50er Jahren kamen die ersten Migranten in ihre Heimat zurück und besiedelten ihre alten Wohnstätten. Eine spürbare Änderung kam aber erst mit dem medizinischen Fortschritt und der Unabhängigkeit Obervoltas im Jahre 1961. 1975 nahm sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) des Onchozerkose Problems an und es gelang, die Krankheit einzudämmen. Mit der Bekämpfung der Simulium damnosum-Fliege als Vektor der Onchozerkose konnte in den 70er Jahren expansiv die Voltaregion erschlossen und urbar gemacht werden. In Yakala ging die Zahl der Onchozerkosefälle in den Jahren 1969 bis 1978 von 800 auf 0 zurück. Damit wurde die Voltaregion für die Landwirtschaft attraktiv. Die Region hat sich zwischen 1975 und 1985 von einer bewaldeten Savanne mit reichem Tierbestand zu einem intensiv landwirtschaftlich genutzten, dicht besiedelten Gebiet gewandelt. Die Wiederbesiedlung der verlassenen Orte um den Nakambé wurde von den umliegenden Orten her durchgeführt, hinzu kamen auch Mossi vom Plateau und Peulh, die vornehmlich unbewohnte Plätze besiedelten. Nach öffentlicher Werbung im Radio zog es östlich des Voltas Neusiedler aus anderen Teilen des Landes an. Die ersten Siedler kamen eher zögerlich, das änderte sich 1984, als die damalige Regierung eine Bodenreform erließ, nach dem der Boden staatlich verteilt würde und eine Dürre die Menschen aus dem Norden trieb. Allein in den Jahren nach der Gesetzesnovellierung wurden zwischen 1984 und 1987 zwischen 2500-3000 Neuankömmlinge an den Nakambéufern des Bissagebietes gezählt, 1000 in Bagré zwischen 1987 und 1991. In Lenga schätzt die C.D.R. 1986 etwa 60 neue Familien und 1988 bereits 200 Familien pro Jahr. Einige suchten die Erdherren auf, andere setzten sich über die Tradition hinweg. Einige Migranten besiedelten auch Buschland, oftmals übernahmen sie die alten Bissaverstecke als Siedlungsplätze oder Orte, an denen ihnen das Land besonders fruchtbar erschien. Die Zuwanderung allochthoner Gruppen zu den traditionell lebenden Bissa blieb nicht ohne Konsequenzen. Mit dem massenhaften Zuzug wurden die Probleme größer und Konflikte geschürt. Obwohl die Besiedlung und die Bevölkerungsdichte des Gebietes zunahm, blieben die Bissa ein wanderfreudiges Volk. Einer Studie von Orstom 1975 nach riss der Strom von Auswanderern in Richtung Küste zwar national ab, aus dem Gebiet der Bissa wurde jedoch noch immer eine Rate von 36% gemessen, zwischen 1960 und 1973 sind demnach 117.00 Bissa nach Ghana gezogen (neben 5.600 Heimkehrern), 20.400 in die Elfenbeinküste (5.700 Heimkehrer). Seit der Unabhängigkeit nimmt die föderale Zergliederung der Region zu und kleinere Verwaltungseinheiten entstehen, ein Erstarken traditioneller Machtstrukturen ist die Folge.

