WU:Ökobanken und Mikrokredite
Aus BurkinaAt
Wie kann es sein, dass trotz nachgewiesenem Erfolg von ethischen Investmenttools – besonders in Krisenzeiten – deren Anteil vergleichsweise gering ist?
ethisches Investment
Unter ethischem Investment versteht man Geldanlagen, die neben Renditekriterien auch ethische Wertvorstellungen des Anlegers berücksichtigen. Oft wird auch von ökologischem und sozial verantwortlichem Investment gesprochen.
Die Trennschärfe zwischen ethischem und nicht ethischem Investment ist jedoch sehr unscharf und hängt ganz von den persönlichen Vorstellungen von Ethik ab. Zu nennen ist hierbei dei pan-Europäische NGO Eurosif (European Sustainable Investment forum), die die Mission hat to Address Sustainability through Financial Markets. Current member affiliates of Eurosif include pension funds, financial service providers, academic institutes, research associations and NGO's. The association is a not-for-profit entity that represents assets totalling over €1 trillion through its affiliate membership.
Die Eurosif, die sich in ihrer Arbeit unter anderem mit der Beurteilung von SRI (sustainable and responsible investment) beschäftigt, gliedert SRI in zwei Gruppen: die Core SRI und Broad SRI, wobei in erstere nur nach strengen Kriterien eingegrenzten Investments fallen und in zweitere sozusagen alle sich irgendwie mit ethischen Wertvorstellungen limitierenden Investitionsmöglichkeiten:
Eine Tabelle, die einen genaueren Überblick über die unterschiedlichen Strategien, anhand derer Investments in Core SRI oder Broad SRI eingeteilt werden, ist hier zu finden.
Anteil
ethisches Investment in Europa
Die European SRI Study, durchgeführt von der Eurosif (European Sustainable Investment Forum), ist eine der wenigen Quellen in Europa, die sich intensiv mit SRI beschäftigt, und zwar hinsichtlich des investierten Kapitals als auch hinsichtlich europäischer und nationaler Trends. 2008 wurde deren dritter Bericht nach den Jahren 2003 und 2006 veröffentlicht.
SRI (sustainable and responsible investment), a generic term covering ethical investments, responsible investments, sustainable investments, and any other investment process that combines investors’ financial objectives with their concerns about environmental, social and governance (ESG) issues. (European SRI Study 2008)
Gemäß der European SRI Study beläuft sich das Gesamtkapital, das in Europa in SRI-AuMs (assets under management) investiert wurde, auf €2,665 Billionen (Dez. 2007) und ist seit 2005, als diese Summe noch € 1,033 Billionen betrug, mit 102% signifikant gestiegen. Der MSCI Europe Index ist in der gleichen Zeit um 16,16% gestiegen, was noch mehr den signifikanten Anstieg am SRI Markt unterstreicht.
Vor allem der Bereich der Mikrofinanzinstitute (MFI) wird als Markt mit großem Wachstumspotenzial angesehen. Derzeit gibt es circa 10.000 MFIs weltweit, die über konsolidiertes Vermögen von $53 Mrd. verfügen. Es gibt inzwischen schon 91 MIVs (Microfinance Investment Vehicles) weltweit, die als Intermediäre zwischen Anlegern, die in diesen Bereich investieren wollen, und MFIs, die Mikrokredite an Arme in Entwicklungsländern ausgeben, agieren. Ein Beispiel hierfür ist der Vision Microfinance Fond.
Die ERAMA (European Fund and Asset Management Association) schätzte die Höhe des AuM-Marktes auf € 13,5 Billionen mit Ende 2006, wobei der Anteil an SRI in Folge von der Eurosif auf 17,6% (3,4% Core und 14,3 Broad) ermittelt wurde.
Die größten SRI-Märkte sind Großbritannien, die Niederlande und Belgien, wobei die beiden letzteren anteilsmäßig (SRI im Vergleich zu gesamten AuM-Markt innerhalb ihres Landes) die größten Märkte sind. Am schnellsten gewachsen sind die SRI-Märkte Deutschlands, der Schweiz und Frankreichs.
Haupttreiber für das Wachstum des SRI-Marktes in Europa sind institutionelle Investoren. Deren Wichtigkeit wurde auch von Hrn. Kastner (Vision Microfinance) unterstrichen, da diese sehr stabile Investoren sind, was vor allem in den ersten Jahren von Investmentfonds sehr wichtig ist. Die Tatsache, dass immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien auf Nachhaltigkeit gelegt wird, ist laut Hrn. Kastner auch einer der Hauptgründe des Wachstums der Branche in den letzten Jahren. Dies spiegelt sich ebenfalls in den Analysen der Eurosif zu den Haupttreibern wider, nach denen external pressure from NGOs or media der dritthäufigste Treiber, nach Gesetzesänderungen, für das Wachstum des SRI-Marktes darstellt. Die grundsätzlich positive Entwicklung des Marktes ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da noch nicht beurteilt werden kann, ob der Fokus auf Nachhaltigkeit und in Folge im Investmentbereich auf SRI, nur eine Modeerscheinung ist (Hr. Kastner).
ethisches Investment in Österreich
Laut der Eurosif beläuft sich das Kapital im österreichischen SRI Marktes auf €1,17 Mrd, was nur 0,7% des gesamten österreichischen AuM Volumens von €163,5 entspricht. Mit €1,15 Mrd. dieses Kapital befindet sich der Großteil in Investmentfonds.
Bezüglich der Aufteilung zwischen Core SRI und Broad SRI, zeigt die Eurosif, dass am österreichischen Markt nur noch aus Core SRI besteht. Die Hauptinvestoren sind mit 73% institutionelle Investoren (hauptsächlich religiöse Institutionen, Caritas als auch Versicherungsgesellschaften) neben kleineren Investoren, die ca. 1/4 der gesamten SRI AuM halten.
Die Entwicklung des österreichischen SRI-Marktes zeigt einen leichten Rückgang des gesamten Marktvolumens um 3% zwischen 2005 und 2007, während der gesamte AuM-Markt jedoch im gleichen Zeitraum um 5% gewachsen ist. Die in der Studie untersuchten Finanzserviceinstitutionen schätzen jedoch, dass deren SRI Investmenttools in den nächsten 3 Jahren um circa 55% steigen werden. Mehr noch erwarten sie bezüglich ihrer Management Teams einen Personalzuwachs von 85% im gleichen Zeitraum. Auch Hr. Kastner betonte das gestiegene Interesse an auf Nachhaltigkeit bauenden Firmen und Fonds von Seiten Job- und Praktika-Interessierter.
Betrachtung von Anlegerseite am Beispiel Bankhaus Schelhammer & Schattera
Geschichte und Dienstleistungen
Das Bankhaus Schelhammer & Schattera bietet seinen Kunden sämtliche Dienstleistungen einer modernen Universalbank, vom Sparbuch bis zum Girokonto. Schwerpunkt der Tätigkeit ist die werteorientierte Vermögensverwaltung. Das Bankhaus Schelhammer & Schattera hat über seine KAG als einzige österreichische Fondsgesellschaft seine Aktivitäten zu 100 Prozent auf ethische bzw. Nachhaltigkeits-Fonds fokussiert. Die KAG hat bei ethischen bzw. nachhaltigen Investmentfonds in Österreich einen Marktanteil von ca. 20 Prozent. Bei Ethik-Fonds nach strenger Definition liegt der geschätzte Marktanteil der Bankhaus Schelhammer & Schattera KAG bei 33%.
Investment
Mag. Tomicek war bereit unsere Fragen zum Thema ethisches Investment in Österreich zu beantworten.
Bei Schelhammer & Schattera ist man mit dem kleinsten Fond ab 50 Euro an und für sich dabei, sinnvoll ist es jedoch, ab einer Summe von 2000Euro zu investieren. Alles darunter würde durch die Performance die Kostenbelastung beeinträchtigen.
Hemmnisse
Es gibt viele Studien und Vermutungen, warum Investoren nicht nachhaltig investieren. Einige glauben, dass sie auf einen gewissen Prozentsatz verzichten müssen u. a. weil zusätzliche Kosten mit einem ethischen Investment verbunden sind. Dabei handelt es sich aber um rund 0,2% gegenüber einer konventionellen Veranlagung. Das bedeutet, dass der Performencenachteil gering ist, sich aber durch einen längeren Zeitraum wiederum ethisch ausgeglichen wird.
Andere wiederum glauben, dass sie automatisch auf Rendite verzichten, denn sie wissen nicht was ethisches Investment ist. Viele glauben, dass ihre Erträge karitativen Einrichtungen gespendet werden. Es gibt natürlich eigene Spenderfonds, nur muss der Anleger vorher Bescheid wissen, worin er investiert.
Im Grunde ist es so, dass alle nachhaltigen Investmentfonds auf Gewinne aus sind, somit dürften sie keine Renditenachteile mit sich bringen.
Aufgrund der Einschränkung des Anlageuniversums befürchten manche ein Risiko einzugehen, da man ja viele andere Unternehmen ausschließt, zum Teil auch ganze Branchen. Folglich könnte man meinen, dass man dadurch weniger Diversifikationseffekt hat und das Risiko dadurch größer wird. Aber auch das ist nicht richtig, denn der Diversifikationseffekt tritt optimal schon ab 30 Wertpapieren ein. Das Marktrisiko kann man nicht wegdiversifizieren, auch wenn man 1000 Unternehmen kaufen würde, denn das Marktrisiko bleibt erhalten.
Schon mit 30 Titeln hat man das Einzeltitelrisiko wegdiversifiziert, was bleibt ist das Marktrisiko. Das Universum des Bankhauses Schelhammer & Schattera besteht aus 350 Unternehmen. Dadurch kann man sein Portfolio so gestalten, damit man keinen Nachteil gegenüber konventionellen Investmentfonds hat, was die Diversifikation betrifft.
Das wichtigste überhaupt ist aber, dass der Kunde meistens nicht weiß, dass es nachhaltige Investments gibt. Schuld daran ist leider die Investmentsfondsbranche selber, da sie zu diesem Thema einfach zu wenig Informationen bietet. Große Investmenthäuser, die das Thema "ethisches Investment" nur aufgegriffen haben, weil es gerade "trendig" ist, werden in erster Linie andere Produkte verkaufen und nicht einen nachhaltigen Fonds, weil es sich für sie mehr rentiert. In den Großbanken werden ethische bzw. nachhaltige Investmentfonds nicht aktiv verkauft, es sei denn der Kunde fragt aktiv danach. In diesem Punkt müsste die Investmentfondsbranche mehr Aufklärungsarbeit leisten.
Der "ethische" Kunde
Wenn Personen ihr Geld bei Bankhäsuern, die sich auf ethisches bzw. nachhaltiges Investment spezialisiert haben, veranlagen, was hat sie dazu bewegt? Machen sie das, weil sie mit ihrem Geld etwas sinnvolles machen wollen, und wenn alles gut geht auch etwas dabei verdienen, oder steht umgekehrt die Rendite im Vordergrund?
Beim Bankhaus Schelhammer & Schattera kauft der Großteil der Kunden Investmentprodukte, weil er sich eine Rendite erwartet. Der positive Nebeneffekt ist, dass er ein "reines Gewissen" hat, wenn er ethisch investiert. Es gibt natürlich eine kleine Gruppe, die sehr nachhaltig affin ist, die etwas tun möchten um nachhaltig ausgerichtete Unternehmen zu unterstützen und wenn sie dann noch eine Rendite dafür bekommen, sind sie froh. Das ist aber eine verschwindend kleine Gruppe - im einstelligen Prozentbereich.
Krise und ethisches Investment
Die Wirtschafts- bzw Finanzkrise hat die Welt in ihren Grundfesten erschüttert. Etliche Firmen sind pleite gegangen, der Staat interveniert mit Milliarden um Konzerne zu stützen und die Meinungen driften auseinander, wenn es um die Frage geht, wie lange es noch dauert, bis es endlich wieder bergauf geht. Hat die Krise auch etwas positives? Wie hat sie sich zum Beispiel auf das Potential von ethischen Investements ausgewirkt?
Investmenthäuser, die ethisch und nachhaltig investieren, haben wie fast alle Banken einen Nettogeldabfluss hinnehmen müssen, jedoch in einem geringerem Ausmaß als der Gesamtmarkt. Ein möglicher Grund hierfür könnte in der Natur bzw. der Qualität der Anlagen selbst liegen. Nachhaltiges Investment ist immer langfrisitg angelegt, also sprich auf einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren, folglich beobachtet man auch, dass Investoren nicht heute kaufen und vielleicht in drei Monaten wieder verkaufen, nur um einen Gewinn zu realisieren. Diese Personen möchten langfristig ihr Kapital zur Verfügung stellen und sind nicht so schnell bereit, zwischendurch zu verkaufen und sich anderen Investments zu widmen.
Was das heurige Jahr betrifft, ist man mit der Entwicklung zufrieden, es gab zwar keinen Nettomittelzufluß, aber durch die positive Kursentwicklung ist das Fondvolumen um 4% gestiegen während der Markt noch leicht im Minus liegt.
Zukunftsperspektiven für ethische Investoren
Ethisches Investieren wird zum Trend der nächsten Jahre werden, weil sich darunter Themen wie Wasser, Energie und Armutsbekämpfung befinden, die die Gesellschaft beeinflussen werden. Man ist gewissermaßen gezwungen, sich mit diesen Themen zu befassen, deswegen sollten Bürger sich überlegen, ob sie nicht etwas dagegen tun können bzw. wollen. Klimawandel zum Beispiel erscheint verstärkt in der Presse, dadurch werden Investoren zu einer Produktionsnachfrage „gezwungen“. Am Besten ist es, breit aufgestellte Fonds zu bevorzugen, die sich mit Nachhaltigkeit auseinander setzen, denen man dann gewisse Themenfonds wie eben z.b. Klima etc „beimischt“.
Im Moment haben ethische Investmentsfonds einen Marktanteil von 1,6%, man hofft aber im Jahre 2020 einen Anteil von 10% in Österreich zu erreichen. Nur zum Vergleich: In Amerika ist es ein Prozentsatz von ca. 10 bis 12% und in Europa, zählt man alle Mandate zusammen, ca 15%. Österreich hat somit in diesem Bereich ein Aufholpotenzial.
Welche Kriterien sind ausschlaggebend für Firmen, damit sie in den Investmentpool kommen?
Es gibt keine Standards bzw. keine Normen, nach denen Firmen eingeteilt werden; es gibt lediglich verschiedene Richtungen an Managementstilen. Die meisten verwenden eine Kombination aus Ausschlusskriterien, in Kombination mit positiv Kriterien im Sinne eines besten Klasse Ansatzes, so wie es Schelhammer und Schattera z.B. auch macht. In diesem konkreten Beispiel wurden 10 Ausschlusskriterien definiert, die den ersten "Filter" darstellen. Alle Unternehmen die gegen eines dieser Ausschlusskriterien verstoßen, dürfen nicht in das Anlageuniversum aufgenommen werden. Darüber hinaus gibt es noch die Firma Ökom, die Unternehemne nach den positiv Kriterien (ca. 200) von Schelhammer und Schattera, die aus dem Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden abgeleitet sind, analysiert. Das Ganze kommt monatlich in einem Anlageuniversum zu Schelhammer & Schattera, das bedeutet es kommen nur die Titel von Ökom, in die dann auch schlussendlich investieren werden darf.
Wie oft werden Firmen reviewed, um zu sehen, ob die Standards noch immer eingehalten werden?
Es gibt laufende Reviews aufgrund von Pressemeldeungen bzw. Meldungen einzlener NGOs, dh. diese Meldeungen fließen laufend in das Research ein, die über die Firmen informieren. Ein umfassendes Branchenupdate gibt es zu mindestens alle 18 Monate. Das heißt, dass man aktiv auf die Unternehmen zugeht und die gesamte Branche neu rated. Zwischendurch kann es immer vorkommen, dass einzelnen Unternehmen außerterminlich gerated werden. Wenn z.B. in Unternehmen investiert werden möchte, die noch nicht gerated worden sind, dann wird ein Antrag gestellt und ÖKOm analysiert dann auch zwischen den offiziellen Review Perioden.
Wie stehen große Investmenthäsuer dazu?
Eigentlich hat nur die Erste Bank einen wirklichen Schwerpunkt an nachhaltigen Investmentfonds und auch eine langjährige Expertise auf diesem Gebiet. Die Raiffeisenbank und die Bank Austria sehen dies nur als Nebensache. Man hat sich zwar dem Trend nicht verwehren können, das heißt es wurden Produkte aufgelegt, aber man sieht es an der Volumensentwicklung, dass sich da wenig bis gar nichts bewegt. Ein möglicher Grund hierfür könnte an dem fehlenden Know-how der Kundenberater liegen. Mit ein Grund dafür, dass Investoren auf diesem Gebiet noch nicht so stark investiert sind, weil eben an der Beraterfront das Know-How und das Wissen fehlt. Deswegen werden dann eher Produkte präsentiert und verkauft, wo sich der Analageberater auskennt, nachhaltige Investmentmöglichkeiten bleiben dann auf der Strecke.
Ethisch investieren - wie geht das?
Wie ist das Prozedere, wenn z.B. ein Student seine 1000 Euro gut aber eben nachhaltig anlegen will? Prinzipiell unterscheidet sich diese Anlageform nicht von einer herkömmlichen Anlage. Als erstes wird ein Risikoprofil erstellt. Man versucht also, zu eruieren, welches Risiko man bewusst eingehen will, welches man ertragen kann und welches man sich auch leisten kann. Eine wichtige Rolle bei dieser Analyse spielt natürlich auch der Anlagehorizont bzw. die Ziele eines jeden Menschen. Es macht einen Unterschied, ob man auf ein Auto hinspart oder eine Pension. Je nachdem wie das Ergebnis dieser Analyse ausfällt, wird ihnen dann der Berater das eine oder andere Produkt empfehlen wie z.B. Anleihen, Gemischte Fonds, Aktien fonds. Von der Investmentphilosophie sind eigentlich alle Produkte gleich, unterscheiden sich nur in der Risikoeigentschaft. Produkte die traditionell weniger risikobehaftet sind, sind z.B. geldmarktnahe Rentenfonds, Rentenfonds, gemischte Fonds, mehr Risiko birgt z.b. ein Aktienfonds. Wenn man kein Depot hat, muss man eines eröffnen - auch hier gibt es keinen Unterschied zu herkömmlichen Investments.
Investment in Mikrofinanzinstitute
Eine Form des ethischen Investments, die im Moment immer mehr Aufmerksamkeit gewinnt, ist die Finanzierung von Mikrofinanzinstituten (MFIs). Dabei stehen auf der Anlegerseite Fonds, die an bestimmte ausgewählte MFIs Darlehen vergeben. Diese wiederum vergeben Mikrokredite an Kleinstkreditnehmer, die im traditionellen Bankenbereich keinen Kredit bekommen würden.
Mikrokredite
sind Kleinstkredite von einem Euro bis unter 1.000 Euro an Kleingewerbetreibende überwiegend in Entwicklungsländern. Sie basieren auf dem Prinzip des Vertrauens und der Eigenverantwortung und stärken dadurch auch das Selbstbewusstsein der Kreditnehmer. Mikrokredite sind neben Mikroversicherungen und micro savings eine wesentliche Mikrofinanz-Dienstleistung. Die Kredite werden in der Regel von Mikrofinanzinstituten (MFI) - spezialisierten Finanzdienstleistern und nichtstaatlichen Organisationen - meist zur Förderung der Entwicklung vergeben.
Grundprinzip von Mikrokrediten
Die Grundidee der Mikrofinanzierung ist denkbar einfach: Bevölkerungsschichten, die wegen ihrer Armut nicht von Banken bedient werden, sollen durch den Aufbau von spezialisierten Finanzinstitutionen Zugang zu Bankdienstleistungen, insbesondere zu Klein(st)krediten erhalten. Und damit mit der Mikrofinanz nicht dasselbe passiert wie in der Finanzbranche in Europa und in den USA, bekommen die Mikrokreditberater zwar auch Prämien - sie sind jedoch an die Rückzahlquote gekoppelt, nicht an den Umsatz. Sollte es gelingen, die Kreditvergabe an ärmere Bevölkerungsschichten so zu organisieren, dass die Kredite auch zurückbezahlt werden, die vereinnahmten Zinsen die Kosten der Mikrofinanzinstitution decken und sogar noch ein Gewinn erwirtschaftet wird, so ergäbe sich eine "Win-Win-Situation": Auf der einen Seite profitieren die Armen. Sie erhalten dauerhaften Zugang zum Finanzmarkt und können durch diese Hilfe zur Selbsthilfe der Armut entkommen. Auf der anderen Seite profitieren die öffentlichen Kassen oder gar kommerzielle Anbieter, sofern sich die Mikrofinanzinstitution als am Markt überlebensfähig erweist.
Mikrokredite sind jedoch keine Almosen. Sie müssen verzinst und pünktlich zurückgezahlt werden. Sie zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
- Niedrige Kreditsumme: in der Regel zwischen 50 und 5.000 Euro
- Kurze Laufzeiten: zwischen 6 Monaten und 3 Jahren
- Zinszahlung und Tilgung in vielen kleinen Raten
- Kredite werden meist an Gruppen von 5-6 Personen vergeben, die jeweils abwechselnd einen Kredit erhalten und bei Rückzahlungsausfällen für einander bürgen.
- Sehr intensiver Kundenkontakt anstatt traditioneller Sicherheiten: das Geschäft der Kunden viel genauer geprüft und verfolgt im Vergleich zu normalen Krediten und in weiterer Folge werden auch die Höhe und Fälligkeit der Raten an die Einnahmen angepasst.
- Kredite werden sehr oft an Frauen vergeben.
- Sehr oft wird auch ein Folgekredit in Aussicht gestellt. Dabei steigt meist die Höhe der möglichen Kreditsumme.
Die grundsätzlichsten Gegensätze zwischen Krediten von normalen Banken und Mikrokrediten von Mikrofinanzinstituten (MFI) wird durch folgendes Zitat prägnant dargestellt:
"Mikrokredite und Mikrofinanzinstitutionen sind eine Revolution im Bankwesen: Die normalen Banken geben den Reichen Kredit, die MFI den Armen. Die Banken geben Männern Kredite, die MFI bevorzugen Frauen. Die Banken verlangen Sicherheiten, die MFI verzichten darauf. Die Banken fordern viel bürokratischen Aufwand, die MFI gewähren ′analphabetenfreundliche′ Kredite", meinte Sam Daley-Harris, Direktor der Microcredit Summit Campaign.
Zinsen
Die Zinsen für Mikrokredite sind im Vergleich zu traditionellen Banken eher hoch und können mit 3% pro Monat schon an die 40% p.a. erreichen. Dies ist auf die Tatsache zurück zu führen, dass aufgrund der mangelnden traditionellen Sicherheiten der Kreditnehmer ein höherer Aufwand für deren Betreuung und Beratung entsteht. Der Kritikpunkt der zu hohen Zinsen wird jedoch mit folgenden Argumenten ausgeräumt: Der administrative Aufwand unterscheidet sich nicht, ob man € 50,- oder € 50.000,- verleiht, und ist mehr noch gerade bei Mikrokrediten aufgrund des stärkeren Kundenkontakts noch höher. Jedoch sind die Erträge pro vergebenem Kredit in absoluten Zahlen bei MFIs geringer: im Vergleich zu € 5.000,- bei 10% auf € 50.000,- betragen die Zinsen bei 20% auf € 50,- nur € 10,-.
Kredite an Gruppen
Mikrokredite werden meist an Gruppen vergeben, die solidarisch für die zeitgerechte Zurückzahlung haften. Dabei bekommen nach einander die Mitglieder dieser Gruppe einen Kredit und müssen diesen auch nacheinander abzahlen. Das starke soziale Gefüge in vielen Entwicklungsländern führt dazu, dass jeder den Kredit zurückzahlen will, um sein „Gesicht“ zu wahren. Die Rückzahlungsrate von Kleinstkreditnehmern an Mikrofinanzinstitute liegt bei beachtlichen 98%.
Die Vergabe von Krediten an Gruppen ist jedoch sehr stark von den Ländern und deren Entwicklungsgrad abhängig (Hr. Kastner).
Kundenkontakt
Die fehlenden „traditionellen“ Sicherheiten der Kleinstkreditnehmern werden durch eine genaue Überprüfung der Geschäftsmodelle und einem engen Kontakt zwischen Mikrofinanzinstitut und Kleinstkreditnehmern wettgemacht. Mikrofinanzinstitute kennen ihre Kunden ganz genau, treffen sie regelmäßig und unterstützen und beraten sie.
Fokus auf Frauen
Mikrokredite werden in manchen Ländern insbesondere von Frauen beansprucht. Die Stellung der Frau und ihr Einfluss auf die Gesellschaft werden damit gefördert und verbessert. Ziel ist dabei, eine Art Empowerment Prozess zu erreichen, der die Stellung der Frau nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch innerhalb des Haushaltes stärkt, da sie durch die Kredite unabhängiger werden.
Folgekredite
Bei erfolgreicher Zurückzahlung des Kredites wird den Kunden meist die Möglichkeit eröffnet, weitere größere Kredite aufzunehmen. Es zeigte sich jedoch, dass vor allem bei Folgekrediten die Rückzahlungsquote von 98% bei weitem nicht mehr erreicht werden konnte.
Potential
Kritikpunkte
- den Ärmsten der Armen wird nicht geholfen: Mikrokredite werden nur an jene Personen vergeben, die diese auch aus eigener Kraft wieder zurück zahlen können. Menschen die arbeitsunfähig sind und daher keine Möglichkeit haben, die Kredite zu bedienen, bekommen auch von MFIs keine Mikrokredite.
- die Zinsen von 20% und mehr werden oft als zu hoch kritisiert. Jedoch wird von den Kritikern missachtet, dass in absoluten Zahlen gesehen, die Erträge aus den Zinsen sehr niedrig sind. Weiters sind sie auch im Vergleich zu den Zinsen von "Kredithaien", die sonst die einzigen Geldgeber für die Armen wären, sehr niedrig, da diese meist über 100% Zinsen verlangen.
- die meisten MFIs können trotz hoher Zinssätze die Kosten nicht aus eigener Kraft decken. Sie sind von staatlichen Zuwendungen oder zumindest von Subventionen in Form günstiger Refinanzierung durch gestiftetes Eigenkapital oder niedrig verzinslichen Refinanzierungslinien abhängig.
- Die Mikrokredite werden oftmals auf den "Rücken" der Frauen und deren sozialem Netzwerk ausgetragen; d.h. durch die starken sozialen Bindung der Frauen untereinander und durch das hohe Ansehen in Verbindung mit der hohen Verantwortung liegt die Last auf mehreren Schultern.
- Durch den Eingriff mit Mikrokrediten wird zum Teil die Leihkultur in den betroffenen Ländern beeinflusst; Bsp. am Markt "leiht" sich eine Person am Morgen die Ware aus, um sie im Lauf des Tages zu verkaufen; somit ist die Person am Abend in der Lage den "Kredit" zurück zu bezahlen. Durch das neue "Zins-"Denken wird der Verleiher angeregt bereits beim Verleihen kleine Zinsbeträge zu verlangen. Somit wird unser Zinseszinsschema in den Köpfen der Leute verwurzelt.
Hemmnisse
Als Hemmnis für das Wachstum und die Sicherung der Überlebensfähigkeit dieser Institutionen hat sich jedoch gerade ihr gemeinnütziger Charakter erwiesen, denn dadurch mangelt es an einem "echten" Eigentümer, der auf die wirtschaftliche Verwendung der eingesetzten Mittel, das heißt auf das Nachhaltigkeit sichernde Ziel von Kostendeckung und Gewinnerzielung, achtet. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurden einige Mikrofinanzinstitutionen inzwischen in Aktiengesellschaften umgewandelt, um die Rechte und Pflichten konkreten Eigentümern zuzuweisen, die ihre Kontrollfunktion im Aufsichtsrat ausüben.
Angeregt durch die Erfolge, die einzelne Mikrofinanzinstitutionen bei der Bereitstellung eines kostendeckenden Finanzierungsangebots für Arme erzielten, aber auch durch die Schwierigkeiten, NGOs an betriebswirtschaftliche Ziele zu binden, entstand die Idee, im Zuge des Downscaling in bereits bestehenden (privatwirtschaftlichen) Geschäftsbanken den Aufbau von Mikrofinanzabteilungen zu fördern. Das Hauptproblem bei diesem Ansatz liegt darin, Eigner und Management von Geschäftsbanken an die anvisierte Kundengruppe der Klein(st)unternehmer zu binden – genau das Ziel der Mikrofinanzierung also, das im Upscaling-Ansatz weit weniger Probleme bereitete. Die Auswertung der Downscaling-Experimente deutet darauf hin, dass dieser Ansatz in Ländern wenig Erfolg verspricht, in denen Finanzmärkte wenig kompetitiv sind und die Konzentration auf größere Kunden das weit lukrativere Geschäft ist. In den Transformationsländern Osteuropas und Zentralasiens dagegen, in denen sich die Finanzmärkte rasch entwickeln und viele junge Kleinunternehmen nach Finanzierung suchen, etwa in der Ukraine und in Kasachstan, zeigen sich Downscaling-Projekte als recht erfolgreich. Private Banken sind interessiert, an Mikrofinanzprojekten teilzunehmen, und haben bereits etliche Kredite ausgelegt.
Am wichtigsten für den Erfolg von MFIs ist deren Erfahrung und Wissen vom Markt. Gutes Management und gut ausgebildete Leute sind hierfür wichtig. Gerade mit dem Boom an MFIs in den letzten Jahren gibt es viele MFIs, die nicht genug Kapazitäten für die gute Ausbildung ihrer Mitarbeiter haben. Was nicht funktioniert, ist, wenn man nur aggresiv wachsen will. Es ist viel wichtiger, langsam in den Markt zu gehen und das Vertrauen der Leute zu gewinnen. Für viele potenzielle Kleinstkreditnehmer besteht nämlich noch eine große Hemmschwelle davor, Kredite aufzunehmen, weshalb man sehr senisibel vorgehen muss. (Hr. Kastner)
Anlegerseite betrachtet am Beispiel der "Vision Microfinance"
Der Dual Return Fund - Vision Microfinance ist ein ethischer Fonds der Absolute Portfolio Management GmbH - eine unabhängige Gesellschaft mit Sitz in Wien, die auf Auswahl, Analyse und Management von Alternativen Investments spezialisiert ist. Der Geschäftsfokus liegt auf institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Anlagephilosophie misst den Erfolg nicht relativ zu anderen Anlageformen oder Indices, sondern einzig und alleine nach dem "wirklichen Ertrag". (Homepage der Absolute PM GmbH)
Ab Sommer 2009 werden jedoch auch Fonds an kleinere Investoren ab € 1.000,- vergeben. Die anfängliche Fokussierung auf Großinvestoren leigt darin begründet, dass vor allem am Anfang stabile Investoren notwendig waren, die nicht nur auf kurzfristigen Gewinn aus sind.
Beim Management des Fonds liegt der Fokus vor allem auf Stabilität. In den ersten Jahren ist der Fonds im Vergleich zu anderen Fonds eher mäßig gewachsen, jedoch selbst im Jahr 2008, als die meisten anderen Fonds Verluste eingefahren sind, erzielte der Fonds eine Rendite von ca. 5%. Selbstverständlich wird versucht, Gewinne zu lukrieren, doch ist das wichtigste dabei immer der Fokus auf die Nachhaltigkeit der getätigten Investments. (Hr. Kastner)
Neben dem Vision Microfinance Fond, der in MFI investiert, bietet die Absolute Portfolio Management GmbH noch vier weitere Fonds an.
Geschichte
Inspiriert vom „Internationalen Jahr der Mikrokredite“, zu dem die UNO im Jahr 2005 aufrief, wandte sich die Absolute Portfolio Management GmbH dem Thema Mikrofinanz zu. Nach dem Entschluss, in diesem Bereich aktiv zu werden, folgten intensive Nachforschungen und Besuche von Kleinstunternehmern und Mikrofinanzinstituten vor Ort, sowie die Teilnahme an Mikrofinanz-Konferenzen und Trainings, wodurch wichtige Kontakte und Partnerschaften mit Mikrofinanzexperten geschlossen werden konnten.
Im April 2006 wurde schlussendlich der Mikrofinanzfonds "Vision Microfinance" aufgelegt. Von den 120 Mio. Euro wurde bislang ca. 200.000 Familien in Entwicklungsländern ein Ausweg aus der Armut geboten.
Dual Return Fund
Das Investment in den „Dual Return Fund-Vision Microfinance“ fließt in Form von direkten Krediten an Mikrofinanzinstitute auf der ganzen Welt (siehe Abbildung "Prinzip des Dual Return Fonds"). Die ausgewählten Mikrofinanzinstitute vergeben daraufhin Mikrokredite an Kleinstunternehmer, welche dadurch wirtschaftlich aktiv werden können. Für ein Darlehen an einem MFI nimmt der Fonds 8% Zinsen. Das MFI wiederum vergibt Kredite um circa 20%.
Das Fondsvolumen des „Dual Return Fund-Vision Microfinance“ beträgt derzeit knapp über 86,5 Mio. Euro, wovon knappe 72 Mio. Euro in Mikrofinanzinstitute investiert sind. Dadurch konnten ca. 93.000 Kleinstunternehmer einen Kleinkredit in der durchschnittlichen Höhe von 1.200 Euro aufnehmen. Zählt man die Familienangehörigen der Kleinstunternehmer dazu, so wird gegenwärtig der Lebensstandard von 188.000 - 282.000 Menschen nachhaltig verbessert.
Der Fonds investiert derzeit in 62 MFIs in 21 Schwellenländern und ist aufgrund der regionalen Streuung (siehe Abbildung), sowie der Streuung zwischen den verschiedenen MFIs sehr diversifiziert. Auch gibt es kaum Korrelationen zu klassischen Anlageformen, da Mikrokredite sich in einem vom Weltmarkt abgekoppelten Umfeld bewegen.
Bei der Auswahl der MFIs wird auf umfangreiche Kriterien geachetet. Darunter fallen die Kreditwürdigkeit der MFIs, welche anhand von Bilanzkennzahlen, Wettbewerbsfähigkeit uä. Auch der social impact der MFIs wird untersucht: an wen werden Kredite vergeben bwz. an wie große Unternehmen, wie hoch ist der Anteil der Kredite an Frauen, wie groß sind die durchschnittlichen Kredite uä. Bei Investitionen in MFIs ist es der Absolute Portfolio Investment GmbH dabei wichtig, dass sie das Geld sinnvoll weitergeben, was auch überprüft werden muss. Zur Qualitätsprüfung der MFIs werden auf die Standards und Überprüfungen des CGAP (Consultative Group to Assist the Poor - Sitz in der Weltbank) zurückgegriffen, welche die Geschäftsmodelle der MFIs vor Ort überprüfen.
Aufgrund des starken Anstiegs an MFIs in den letzten Jahren ist eine solche Überprüfung auch notwendig, da sehr viele "auf den Zug aufgesprungen sind", jedoch nicht die notwendigen Kapazitäten für eine qualitative und seriöse Kreditvergabe bieten können. Die MFIs, in welche der Vision Microfinance Fonds investiert arbeiten alle wirtschaftlich, bilanzieren positiv und sind nicht - was ein großer Kritikpunkt an diversen MFIs ist - von dauerhaften staatlichen oder anderen Förderungen abhängig. (Hr. Kastner)
MFI-Seite betrachtet am Beispiel der "Grameen-Bank"
Die Grameen-Bank (auf deutsch: Dorf-Bank) in Bangladesch ist ein internationales Vorzeigemodell für Mikrokredite in Entwicklungsländern. Sie wurde 1983 von Muhammad Yundus gegründet und erhielt 2006 für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten den Friedensnobelpreis.
Geschichte
Die Geschichte der Grameen-Bank geht zurück bis ins Jahr 1976, als Professor Muhammad Yundus, damals Chef des Rural Economic Programms der Universität von Chittagong, ein Untersuchungsprojekt über die Möglichkeiten und Potentiale eines Kreditfinanzierungssystems für die Ärmeren in den ländlichen Gegenden Bangladeschs startete. Schlussendlich wurde das Grameen-Bank Projekt mit folgenden Zielen gestartet:
- Bankdienstleistungen für Arme anzubieten
- der Ausnutzung von Armen durch Kredithaie vorzubeugen
- eine Möglichkeit zur Selbstständigkeit für einen großen Teil der arbeitslosen Bevölkerung Bangladeschs anzubieten
- den Benachteiligten, hauptsächlich Frauen aus den ärmsten Haushalten, ein Organisationsformat nahe zu bringen, das sie verstehen und selber managen können
- den alten Teufelskreis aus "niedriges Einkommen, niedrige Ersparnisse und niedrige Investitionen" in einen Kreis aus "niedriges Einkommen, Kreditinjektion, Investition, höheres Einkommen, mehr Ersparnisse, mehr Investition, mehr Einkommen..." umzuwandeln
Anfangs war das Projekt das an die Chittagong Universität angrenzende Dorf Jarba und ein paar Nachbardörfer begrenzt. Dank der Unterstützung durch die Nationalbank und verstaatlichte Banken wurde das nach dem großen Erfolg auf weitere Regionen ausgeweitet. Im Oktober 1983 wurde das Grameen Bank Projekt in eine unabhängige Bank umgewandelt. Heute gehört die Bank der ländlichen Bevölkerung, an die es seinen Service anbietet, da diese neben Krediten auch eine Aktie der Bank halten müssen: 90% der Aktien sind in den Händen der Kreditnehmer der Bank während die restlichen 10% dem Staat Bangladesch gehören.
Für sein Projekt der Grameen Bank erhielt Muhammad Yundus im 2006 den Friedensnobelpreis.
Ökologisches Investment
Was ist das?
Thermini wie „Grünes Geld", „Nachhaltige Veranlagung“, „Ökologische Geldanlage“, „Ethisch-ökologisches Investment“ etc. sind unterschiedliche Begriffe für Veranlagungen, bei denen ökologische, soziale bzw. ethische Komponenten bei der Auswahl, Beibehaltung und Realisierung des Investments berücksichtigt werden. Es wird also beispielsweise in Unternehmen investiert, die in ihrer Geschäftspolitik ökologische und/oder soziale Grundsätze verfolgen und deren Produkte und Dienstleistungen einen ökonomischen, ökologischen und damit gesellschaftlichen Nutzen erzeugen. Mit „nachhaltigem Investment“ kann auch der verantwortungsvolle Gebrauch von Mitspracherechten, die mit Anteilspapieren verbunden sind, gemeint sein.
GLS-Gemeinschaftsbank
Die GLS Gemeinschaftsbank eG wurde 1974 von Anthroposophen gegründet und ist die erste Bank in Deutschland, die nach ethisch-ökologischen Grundsätzen arbeitet. Ihre Zentrale befindet sich in Bochum, weitere Niederlassungen gibt es in München, Hamburg, Frankfurt am Main, Stuttgart, Freiburg und Berlin.
GLS steht für „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“. Menschen, die bei der GLS Gemeinschaftsbank ihr Geld anlegen, verbindet der Wunsch, „anders“ mit Geld umzugehen.
Wenn man sich beispielsweise im Vergleich andere Bankinstitute anschaut, werden die Unterschiede deutlich, die dieses Institut von der Masse abheben. Die deutsche Bank z.B. bewegt Milliardensummen rund um den Erdball, sie beschäftigt Spezialisten für jede noch so abstrakte Form von Finanztransaktion, sie schlägt für ihre Anleger stets das Maximum an Marge heraus.
Die GLS tut nichts von alledem. Aus Prinzip nicht. Mit dem Geld ihrer Anleger kauft sie keine Finanzpapiere, sie vergibt Kredite an Unternehmen in Deutschland für konkrete, überschaubare Geschäftsvorhaben nach ethischen und ökologischen Richtlinien. Ein wichtiger Teil der Unternehmensphilosophie ist die Transparenz in der Kreditvergabe. Alle an Unternehmen vergebenen Kredite werden in der Kundenzeitschrift Bankspiegel veröffentlicht. Vier Mal im Jahr kann man sich selbst von den vergebenen Krediten ein Bild machen, wenn der neue "Bankspiegel" erscheint, die Hauszeitschrift der GLS, in der - auch das ist eine Ausnahme in der Finanzbranche - jeder vergebene Kredit veröffentlicht wird.
In der letzten Ausgabe 2008 konnte man beispielsweise lesen, dass die GLS für den Neubau eines Demenzkrankenheims in Frankfurt € 399.478,- zur Verfügung gestellt hatte, € 11.500,- für den Bau einer Käserei in Deggenhausertal, € 531.000,- für die Sanierung einer Wasserkraftanlage in Neustadt-Glewe und €15.000,- für die Filteranlage eines schwimmpädagogischen Vereins in Frankfurt.
Man könnte also durchaus sagen dass die GLS so etwas wie das Gegenteil der vieldiskutierten "Bad Bank" ist, jenes Finanzabladeplatzes, auf den manche Bank gerne ihren krisenbedingt entwerteten Wertpapierschrott abwälzen würde. Die GLS ist die "Good Bank", die solchen Schrott nie besessen hat. Fairerweise muss man erwähnen, dass ein Vergleich zwischen den Global Playern der Finanzindustrie und der kleinen Bochumer GLS, die 2008 gerade mal ein Fünftel des Bilanzvolumens der Bochumer Sparkasse erzielt hat, ein wenig hinkt. Nichtsdestotrotz ist es Faktum dass 2008 ca. 7.000 Anleger ihre Konten nach Bochum verlagert haben. Von Kundenberaterseite der GLS Bank hört man, was die Gründe betrifft immer wieder die Unzufriedenheit mit den großen Instituten und den dort ansässigen Managern.
Mit 62.000 Anlegern verfügt die GLS mittlerweile über einen beachtlichen Kundenstock. Die Krise hat dem Nischeninstitut den größten Wachstumssprung seiner Geschichte beschert. Das Personal wurde von 180 auf knapp 220 Mitarbeiter aufgestockt, trotzdem gibt es immer noch Engpässe bei der Einrichtung neuer Konten.
Nach Übernahme der Geschäfte der Ökobank Anfang 2003 unterstützt sie mehr als 6.000 kulturelle, soziale und ökologische Projekte (Stand: 2008). Im Firmenportrait heißt es: „Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen kulturelle, soziale und ökologische Initiativen von Menschen, nicht eine abstrakte Kapitalverzinsung oder maximale Gewinnerzielung.“ Das Geld fließt nach den Unternehmensgrundsätzen nicht in umweltschädliche oder sozial unverträgliche Vorhaben wie die der Rüstungsindustrie, Kernenergie und nicht in Unternehmen mit diskriminierenden Arbeitsverhältnissen, sondern bevorzugt in nachhaltige und soziale Projekte.
Durch die Übernahme der IntegraBank (München) im Jahr 2008 will die GLS ihr Engagement auch im christlich-kirchlichen Bereich verstärken.
Die GLS ist eine Genossenschaftsbank und gehört dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und dessen Sicherungseinrichtung an.
Wie funktioniert die Kreditvergabe bei der GLS?
Um diesen Vorgang zu veranschaulichen bedienen wir uns eines Bespiels, das letztes Jahr stattgefunden hat: Bei Joachim Weckmann war es eine knappe Million. Sechs Jahre ist das her. Damals lief bei seiner Firma, der Biobäckerei "Märkisches Landbrot" in Berlin-Neukölln, ein Hypothekendarlehen aus, Weckmann suchte einen neuen Kreditgeber - und landete bei der GLS. Aus Bochum schickte man ihm einen Berater, der sich alles genau ansah: die Getreidesäcke, die Tag für Tag von Demeter-Bauern aus ganz Brandenburg angeliefert werden; den Brunnen, der aus 80 Metern Tiefe Wasser zutage fördert, damit im Brot keine Medikamentenrückstände aus dem Stadtwasser landen; die Plexiglasröhre, in der das Brunnenwasser mit Halbedelsteinen "energetisiert" wird, bevor es in den Brotteig gelangt - schaden könne das ja nicht, erklärte Weckmann dem staunenden Bankberater, und manche Bäcker seien nun mal überzeugt, dass es helfe.
Am Ende war es Weckmann selbst, der staunte. Die GLS teilte mit, man werde ihm einen zinsverbilligten Sonderkredit einräumen, als Anerkennung für nachhaltiges und ökologisch vorbildliches Wirtschaften. Leisten kann sich die Bank die Vergabe solcher Sonderkonditionen, weil manche Anleger - derzeit sind es zwölf Prozent - vollständig auf Zinsen verzichten, um besonders förderwürdige Unternehmen zu unterstützen.
Weckmann aber führt es vor. 35 Mitarbeiter hat seine Bäckerei, gut fünf Millionen Euro setzt sie im Jahr um, auf den Fluren hängt eine Qualitätsauszeichnung neben der anderen. Das Geschäft läuft, auch in der Krise. In gewisser Weise kann sich Weckmann sogar vorstellen, dass die Diskreditierung der Finanzbranche seinem Geschäft auf die Sprünge helfen könnte: "Die Leute sehen die Charakterlosigkeit unserer Wirtschaftswelt, sie begreifen, dass das Leben so nicht funktionieren kann - und suchen sich Produkte mit Charakter." Weckmann lächelt. "Jetzt mal ganz verkürzt gesprochen." Es gibt immer einen Anfang für das Bessere. Das ist der Slogan, mit dem Joachim Weckmann für sein Brot wirbt.
Zahlen zum 31. Dezember 2008
- Bilanzvolumen nur GLS Bank, ohne GLS Treuhand und GLS BAG: 1,013 Mrd. €
- Bilanzvolumen GLS Bank, inkl. GLS Treuhand, GLS BAG und aller Fonds: 1,232 Mrd. €
- Kreditvolumen: 613,1 Mio. €
- Kundeneinlagen: 840,5 Mio. €
- Kunden: 62.000
- Mitarbeiter: ca. 220
CONCLUSIO
Ethisches Investment ist aufgrund deren Fokus auf Nachhaltigkeit – sei es betreffend der Unternehmenskonzepte, in die diese investieren, oder betreffend deren Fokus auf Stabilität – besonders in Krisenzeiten sehr stabil. Wie jede andere Investmentform zielen auch ethische Investmenttools auf Rendite ab, doch setzen sie im Gegensatz zu vielen anderen Anlageformen, die vor allem auf kurzfristige Gewinne aus sind, auf einen langfristigen Erfolg. Dafür prüfen sie weiters auch die Unternehmen und deren Geschäftsideen viel genauer – sowohl vor der Investition als auch regelmäßig während der gesamten Laufzeit.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele Menschen nicht genug bzw. falsche Ansichten von ethischem Investment haben und glauben, dass sie dabei aufgrund der Tatsache, dass sie „etwas Gutes tun“ auch mehr zahlen müssen bzw. weniger Rendite bekommen. So hält sich die Meinung, dass die Erträge aus ethischem Investment karitativen Einrichtungen gespendet werden, oder dass aufgrund der eingeschränkten Anlagemöglichkeiten das Risiko weniger gestreut werden kann. Dies ist schlicht und einfach falsch, da weder die Rendite gespendet noch auf Diversifikation verzichtet wird. In der ethischen Investmentbranche herrscht somit ein Aufholbedarf an Aufklärungsarbeit, um den Kunden die Vorteile nahe zu bringen und diese Missverständnisse und Irrtümer aus der Welt zu schaffen.
__________________________________________________________________________________________________________
Einzelnachweise
- Telefoninterview mit Herrn Günther Kastner (Absolute Portfolio Investment GmbH - Vision Microfinance Fonds) am 4. Juni 2009 um 11:30
- Interview im Bankenhaus Schelhammer & Schattera mit Mag. Tomicek am 9.6.2009
Literatur
Weblinks
- Absolute Portfolio Management GmbH http://www.absolutepm.at/
- Brand eins - Zurück auf Start http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2846&MenuID=130&MagID=108&sid=su6247133148030709&umenuid=1
- CGAP http://www.cgap.org/p/site/c/
- Ethische Geldanlage http://www.ethische-geld-anlage.de/
- Eurosif - European SRI Studies http://www.eurosif.org/publications/sri_studies
- GLS-Gemeinschaftsbank Homepage http://www.gls.de/
- Grameen-Bank http://www.grameen-info.org/
- Mikrofinanzierung: Allheilmittel gegen Armut? http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca3_2002/terberger.html
- Öko-fair Mit kleinen Summen Leben verändern http://www.oeko-fair.de/oekofair.php/aid/1056
- Öko-fair Arme Menschen sind die zuverlässigsten Kreditnehmer http://www.oeko-fair.de/oekofair.php/aid/1328
- Spiegel: Business statt Almosen http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,442506,00.html
- Visionmicro Finance http://www.visionmicrofinance.com













